Astrologie
Die Beschäftigung mit den Sternen in astrologischer Sicht - und das betrifft vor allem die Wandelsterne, also die Planeten, sowie Sonne und Mond - geht bis zu den Sumerern und Akkadern zurück (ca. 3-5000 v.Chr.). Zur damaligen Zeit hatten astrologische Berechnungen erheblichen Einfluss auf das öffentliche Leben. Alle wichtigen Ereignisse, wie etwa Königskrönungen, Kriegsbeginn, etc. fielen auf errechnete günstige Konstellationen. Von den Chaldäern wurden mehr als 20.000 Keilschriftfragmente mit astrologischen Inhalten gefunden. Die Sumerer kannten bereits sieben Sterne mit Eigenbewegung (Sonne, Mond, Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn), zwölf Sonnenstationen und sogar die Präzession, die den Frühlingspunkt in 72 Jahren um ein Grad verschiebt. Auch in der ägyptischen Kultur blühte die Astrologie.

Bis herauf in die Neuzeit waren Astrologie und Astronomie praktisch miteinander vereint. Johannes Kepler vollzog schließlich die Trennung der beiden Disziplinen, wenn auch selbst heute noch mitunter Laien beides in einen Topf werfen. Die Astronomen verwehren sich - mit Recht! - relativ scharf dagegen, mit Astrologie in Verbindung gebracht zu werden. Die Astronomie ist zu einer exakten Naturwissenschaft geworden, während die Astrologie als Humanwissenschaft gar nicht exakt sein kann (wie etwa Psychologie, Soziologie und selbst die Medizin) und sich auf Aussagen aufgrund von Erfahrungen und statistischer Wahrscheinlichkeit stützen muss. Allerdings sind diese Erfahrungen über einen sehr langen Zeitraum gemacht worden - nämlich siebentausend Jahre!

Außer der Namensähnlichkeit und der Berechnung der Positionen von Sonne, Mond und Planeten haben Astronomie und Astrologie kaum Gemeinsamkeiten. Vergleichbar wäre das mit dem Unterschied zwischen einem Spektralanalytiker und einem Maler, die zwar beide mit Farbe zu tun haben, aber mit höchst unterschiedlicher Motivation und Methode vorgehen.

Heute hat die Astrologie durch moderne Errungenschaften - vor allem EDV - wesentliche Erweiterungen erfahren, wenngleich sie im Kern die siebentausend Jahre alte Erfahrungswissenschaft geblieben ist. Computer können zwar nicht die Deutung eines Horoskops übernehmen, sehr wohl aber die Berechnung und vor allem statistische Auswertungen vornehmen, sodass astrologische Aussagen auch in Reihenuntersuchen untermauert und verbessert werden können.

Die Frage nach dem Warum und Wie war immer schon ein kritischer Punkt, der letztendlich immer noch nicht vollständig geklät ist. Zumindest der Einfluss des Mondes ist heute nahezu unbestritten. Bezüglich der anderen Planeten herrscht noch Unsicherheit, da der gravitatorische Einfluss - mit Ausnahme Jupiters - doch sehr gering ist. Aber die Umlaufzeiten der Planeten sind als Rhythmen im Leben (nicht nur im menschlichen!) gut zu beobachten. Abschließend ist zu bemerken, dass der Astrologe von einem Grundzustand zum Zeitpunkt der Geburt ausgeht, und daraus eine wahrscheinliche Entwicklung projiziert. Astrologie kann daher nur Hilfe zur Selbsthilfe bieten.

Bild: Sternentstehungsregion im Sternbild Chamäleon
/ESO